Shall vs. Will: Wann Sie welche Form im modernen Englisch verwenden
Shall und will verweisen beide auf die Zukunft – kein Wunder also, dass viele Lernende sie als beliebig austauschbar betrachten. Beide gehören zu den Modalverben, jenen kleinen Hilfsverben, die einem Satz eine bestimmte Bedeutungsnuance verleihen. Im modernen Englisch sind sie jedoch keine gleichwertigen Partner mehr: will hat sich zur Standardform für fast alle Situationen entwickelt, während shall auf wenige, klar abgegrenzte Bereiche zurückgezogen hat. Entscheidend ist nicht eine ausführliche Sprachgeschichte, sondern das Wissen, wo shall heute noch seinen festen Platz hat – damit Sie weder altmodisch noch fehlerhaft klingen.
Will: die moderne Standardform
Will ist der gewöhnliche Weg, um über die Zukunft zu sprechen. Verwenden Sie will für Vorhersagen, spontane Entscheidungen und die Bereitschaft, etwas zu tun.
- I will call you tomorrow.
- She will be thirty next month.
- Do not worry, I will help you.
Für einfache Aussagen darüber, was geschehen wird, ist will in nahezu allen Fällen richtig – und zwar für alle grammatischen Personen: I will, you will, he will, they will. Diese Form ist die sichere Wahl, wenn Sie unsicher sind.
Shall in Fragen: Angebote und Vorschläge
Die einzige Situation, in der shall im alltäglichen Sprachgebrauch noch vollständig lebendig ist, sind Fragen in der ersten Person (I und we), mit denen man Hilfe anbietet oder etwas gemeinsam vorschlägt.
- Shall I open the window?
- Shall I carry that for you?
- Shall we go now?
- Shall we order some food?
Hier fragt shall nicht wirklich nach der Zukunft, sondern schlägt eine Handlung vor. Ersetzt man shall durch will, verändert sich die Bedeutung: „Will I open the window?" klingt so, als wisse man tatsächlich nicht, was man selbst in der Zukunft tun wird – ein inhaltlich sinnloser Satz in diesem Kontext. Genau diese Verwendung von shall für Angebote und Vorschläge ist die wichtigste, die Sie verinnerlichen sollten.
Shall in formellen und juristischen Texten
Ein weiteres Überlebensgebiet von shall sind Vorschriften, Verträge und formelle Anweisungen, wo es eine Verpflichtung ausdrückt – ähnlich wie must.
- The tenant shall pay the rent on the first of each month.
- Members shall not share their passwords.
Diese Formulierungen begegnen Ihnen häufig in englischsprachigen Verträgen und Regelwerken – etwa wenn deutsche Unternehmen mit internationalen Partnern zusammenarbeiten oder wenn Sie Nutzungsbedingungen englischer Plattformen lesen. Selbst schreiben müssen Sie diese Form nur, wenn Sie formelle Dokumente verfassen. Im üblichen Schriftverkehr erfüllen must oder will dieselbe Aufgabe, und zwar klarer und natürlicher.
Kurze Orientierungshilfe
Fragen Sie sich, was Sie ausdrücken möchten. Machen Sie eine gewöhnliche Aussage über die Zukunft? Verwenden Sie will. Bieten Sie etwas an oder machen Sie einen Vorschlag mit I oder we? Verwenden Sie Shall I oder Shall we. Formulieren Sie eine formelle Regel? Shall ist möglich, but must ist meist verständlicher. Ein typischer Alltagsdialog zeigt den Unterschied auf einen Blick:
„Shall we leave at eight?" – „Yes, I will be ready."
Modalverben sind der Bereich, in dem sicheres Englisch leise, aber deutlich sichtbar wird – denn die Regeln sind subtil und werden selten gut erklärt. Ob Entscheidungen wie diese bei Ihnen bereits automatisch sitzen oder noch etwas gezielte Übung verdienen, zeigt Ihnen ein kostenloser Englisch-Niveautest.
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