Die leichtesten Sprachen für Englischlernende: Vollständiges Ranking
Fast 1,5 Milliarden Menschen sprechen Englisch als Erst- oder Zweitsprache — und doch stoßen viele Deutschsprachige beim Erlernen einer weiteren Fremdsprache schnell an ihre Grenzen. Die gute Nachricht: Einige Sprachen teilen so viel mit dem Englischen, dass Linguistinnen und Linguisten sie als wirklich zugänglich einstufen. Wenn Sie wissen, welche Sprachen das sind und warum, können Sie sich Jahre unnötiger Lernarbeit ersparen.
QUICK ANSWER
Die leichtesten Sprachen für Englischlernende sind die FSI-Kategorie-I-Sprachen: Spanisch, Französisch, Niederländisch, Norwegisch, Schwedisch, Portugiesisch, Italienisch, Rumänisch, Afrikaans und Dänisch. Sie erfordern etwa 600–750 Stunden, um das B2-Niveau zu erreichen. Überprüfen Sie zunächst Ihr aktuelles Englischniveau mit dem kostenlosen IET-Englisch-Einstufungstest.
Was bedeutet Sprachschwierigkeit – und wie wird sie gemessen?
Sprachschwierigkeit beschreibt die geschätzte Zeit, die ein Muttersprachler des Englischen benötigt, um in einer Zielsprache berufliche Handlungsfähigkeit zu erreichen – das entspricht in etwa B2–C1 auf der CEFR-Skala.
Der meistzitierte Maßstab stammt vom Foreign Service Institute (FSI), der US-amerikanischen Behörde, die Diplomatinnen und Diplomaten ausbildet. Das FSI wertet Unterrichtsstunden von tausenden erwachsenen Lernenden aus und ordnet Sprachen vier FSI-Kategorien zu:
| FSI-Kategorie | Schwierigkeit | Geschätzte Stunden | Beispielsprachen |
|---|---|---|---|
| I | Am leichtesten | 600–750 Std. | Spanisch, Französisch, Italienisch, Niederländisch, Schwedisch |
| II | Mittelschwer | 900 Std. | Deutsch, Malaiisch, Suaheli |
| III | Schwer | 1.100 Std. | Russisch, Hindi, Thailändisch |
| IV | Am schwersten | 2.200 Std. | Arabisch, Mandarin, Japanisch, Koreanisch |
Drei Faktoren bestimmen den Schwierigkeitswert: grammatikalische Ähnlichkeit zum Englischen, gemeinsamer Wortschatz (Kognaten) und Schrift/Phonologie (ob das Schriftsystem und die Laute vertraut sind).
Warum Englisch als Ausgangspunkt ideal ist
Englisch ist eine Besonderheit: Es ist eine germanische Sprache, die stark durch Altnordisch, Normannischfranzösisch und Latein geprägt wurde. Diese hybride Geschichte ist Ihr strategischer Vorteil.
- Etwa 26 % des englischen Wortschatzes stammt aus dem Französischen.
- Weitere 29 % kommen aus dem Lateinischen – vieles davon über das Französische.
- Das grammatikalische Grundgerüst ist westgermanisch, geteilt mit Niederländisch, Deutsch und den skandinavischen Sprachen.
Da Englisch bereits die germanische und die romanische Tradition verbindet, haben Englischsprachige in beiden Sprachfamilien einen messbaren Vorsprung. Dieses Fundament zu verstehen, ist der erste Schritt zur richtigen Sprachwahl. Wenn Sie mehr darüber erfahren möchten, wie schwer Englisch selbst im Vergleich zu anderen Sprachen ist, lesen Sie unsere Analyse Is English Hard to Learn? Difficulty Ranked Against 20 Other Languages.
Die 15 leichtesten Sprachen für Englischlernende
Nachfolgend finden Sie unsere Rangliste, geordnet nach FSI-Kategorie. Die angegebenen Stunden beziehen sich auf die Zeit bis zum ungefähren B2-Niveau im strukturierten Erwachsenenunterricht.
FSI-Kategorie I: Die schnellsten Erfolge (~600–750 Stunden bis B2)
Diese zehn Sprachen weisen die stärkste Überschneidung mit dem Englischen in Grammatik, Wortschatz oder beidem auf.
1. Afrikaans — Abgeleitet vom Niederländisch des 17. Jahrhunderts, kennt Afrikaans keine Verbkonjugationen, kein grammatikalisches Geschlecht und einen großen Bestand an englischen Lehnwörtern. Es gilt als die wohl leichteste Sprache für Englischsprachige.
2. Niederländisch — Die dem Englischen nächstverwandte lebende Sprache in der germanischen Familie. Tausende Wörter sind nahezu identisch (water, hand, arm), und die Satzstruktur ist vertraut. Gesprochen von 24 Millionen Menschen in den Niederlanden und Belgien – wichtige Handelspartner Deutschlands.
3. Norwegisch — Einfache Grammatik, flexible Wortstellung und ein umfangreicher gemeinsamer Wortschatz. Englisch hat zahlreiche Wörter aus dem Altnordischen übernommen, sodass Begriffe wie they, them, sky und knife direkte Verwandte sind.
4. Schwedisch — Strukturell ähnlich wie Norwegisch. Ein Lernender auf B2-Niveau im Schwedischen kann geschriebenes Norwegisch und Dänisch weitgehend verstehen – drei Sprachen zum Preis einer.
5. Dänisch — Grammatikalisch einfach, wenngleich die Aussprache als anspruchsvoll gilt. Aufgrund des Wortschatz- und Strukturanteils bleibt es klar in Kategorie I.
6. Spanisch — Die meistgelernte Fremdsprache der Welt mit 500 Millionen Muttersprachlerinnen und Muttersprachlern. Phonetisch konsistent, reich an Online-Lernressourcen und mit 30–40 % Wortschatzüberschneidung mit dem Englischen durch gemeinsame lateinische Wurzeln. In Deutschland ist Spanisch besonders im Exporthandel mit Lateinamerika gefragt.
7. Portugiesisch — Dem Spanischen sehr ähnlich. Allein in Brasilien sprechen 215 Millionen Menschen Portugiesisch. Wer Spanisch auf B1-Niveau beherrscht, macht beim Portugiesisch lernen deutlich schnellere Fortschritte.
8. Französisch — Tiefe Wortschatzüberschneidung mit dem Englischen (Normanneneroberung 1066). Komplexere Aussprache als Spanisch, dafür ein klarer Vorteil bei akademischem und beruflichem Fachwortschatz. In 29 Ländern gesprochen – und in der EU eine der Hauptarbeitssprachen.
9. Italienisch — Hoch phonetisch, melodischer Rhythmus und eine Grammatik, die in vielen Bereichen regelmäßiger ist als die des Französischen. Für Absolventinnen und Absolventen von Kunst-, Musik- oder Kulinarikprogrammen besonders attraktiv.
10. Rumänisch — Oft übersehen, dabei die am stärksten lateinisch geprägte romanische Sprache. Die Grammatik ist etwas komplexer als beim Spanischen, doch der Wortschatz ist sofort erkennbar.
FSI-Kategorie II: Erreichbar, aber zeitaufwendiger (~900 Stunden bis B2)
11. Deutsch — Als Muttersprache der meisten Lesenden dieser Seite bereits vorhanden. Für Englischlernende ohne deutschen Hintergrund gilt: enormer Wortschatzüberlapp mit dem Englischen (house/Haus, water/Wasser, father/Vater), aber das Kasussystem und die drei grammatikalischen Geschlechter erhöhen die Komplexität spürbar.
12. Suaheli — Eine Bantusprache Ostafrikas, gesprochen von 200 Millionen Menschen als Erst- oder Zweitsprache. Kein grammatikalisches Geschlecht, ein phonetisches Schriftsystem und ein erlernbares Nominalklassensystem. Für den deutschen Außenhandel mit Ostafrika zunehmend relevant.
13. Malaiisch/Indonesisch — Keine Zeitformen, keine Konjugationen, keine Töne, lateinische Schrift. Amtssprache in vier Ländern. Das FSI stuft sie in Kategorie II ein, viele Lernende berichten jedoch von schnelleren Fortschritten.
14. Haitianisches Kreol — Abgeleitet hauptsächlich aus dem Französischen, mit vereinfachter Grammatik und ohne Verbkonjugation. Wer Vorkenntnisse im Französischen hat, kommt hier besonders schnell voran.
15. Esperanto — Die konstruierte Weltsprache wurde bewusst für einfaches Erlernen konzipiert. Vollständig regelmäßige Grammatik, logisches Wortbildungssystem und eine weltweite Sprechergemeinschaft. Forschungen deuten darauf hin, dass das Erlernen von Esperanto den Erwerb weiterer Sprachen beschleunigt.
Entscheidende Faktoren für die Leichtigkeit einer Sprache
Wer versteht, was eine Sprache leichter macht, kann strategischer wählen:
- Kognaten (gemeinsamer Wortschatz): Spanisch teilt rund 3.000 direkte Kognaten mit dem Englischen, Französisch etwa 1.700 gebräuchliche Wörter. Je mehr Kognaten, desto schneller entwickeln sich Lese- und Hörverstehen.
- Phonetische Konsistenz: Spanisch, Italienisch, Finnisch und Indonesisch werden im Wesentlichen so geschrieben, wie sie klingen. Englisch, Französisch und Dänisch tun das nicht – was Anfängerinnen und Anfänger in diesen Sprachen verlangsamt.
- Grammatikkomplexität: Sprachen ohne grammatikalisches Geschlecht (Afrikaans, Indonesisch, Suaheli) nehmen eine wesentliche Lernhürde. Sprachen ohne unregelmäßige Verbkonjugationen (Afrikaans, Malaiisch) nehmen eine weitere.
- Schriftvertrautheit: Alle Kategorie-I- und Kategorie-II-Sprachen in dieser Liste verwenden das lateinische Alphabet, was die 100–200 zusätzlichen Stunden erspart, die für Kyrillisch, Arabisch oder CJK-Schriften nötig wären.
Einen umfassenderen Überblick darüber, wie Sprachen strukturierten Kompetenzrahmen zugeordnet werden, bietet unser Leitfaden zu Sprachkompetenzniveaus.
Realistische Zeitplanung bis B2: Eine ehrliche Einschätzung
Die FSI-Stunden basieren auf Vollzeitunterricht (8 Stunden täglich mit ausgebildeten Lehrkräften). Für selbstgesteuerte Erwachsene, die täglich 1–2 Stunden lernen, sollten Sie einen realistischen Multiplikator einrechnen:
| Sprache | FSI-Stunden | Stunden/Tag | Monate bis B2 |
|---|---|---|---|
| Spanisch | 630 | 1 Std. | ~21 Monate |
| Französisch | 750 | 1 Std. | ~25 Monate |
| Niederländisch | 575 | 1 Std. | ~19 Monate |
| Norwegisch | 575 | 1 Std. | ~19 Monate |
| Deutsch (für Englischsprachige) | 900 | 1 Std. | ~30 Monate |
| Suaheli | 900 | 1 Std. | ~30 Monate |
Dies sind Durchschnittswerte. Lernende mit Vorkenntnissen in einer verwandten Sprache oder mit intensivem Medien- und Gesprächskontakt machen typischerweise 20–30 % schnellere Fortschritte.
Praxisbezug: Die richtige Sprache für Ihren Kontext
Die leichteste Sprache ist nur dann wertvoll, wenn sie Ihren tatsächlichen Zielen dient. Bedenken Sie folgende Szenarien:
- Karriere in Europa oder Lateinamerika: Spanisch oder Französisch – maximale Sprecherzahl, breiteste Relevanz auf dem Arbeitsmarkt.
- Technologie und Ingenieurwesen in Nordeuropa: Norwegisch, Schwedisch oder Niederländisch – in diesen Ländern ist das durchschnittliche Englischniveau hoch, sodass berufliche Gespräche oft beide Sprachen kombinieren.
- Handel und Logistik in Südostasien: Malaiisch/Indonesisch – 270 Millionen Sprechende, stark wachsende Volkswirtschaften, zunehmend relevant für den deutschen Export.
- Wissenschaftliche Publikationen: Französisch oder Spanisch – historisch bedeutsam in Geistes- und Sozialwissenschaften, international weit verbreitet.
- Reisen in möglichst viele Länder mit einer Sprache: Spanisch (Spanien, Mexiko, 18 weitere Länder) oder Französisch (Europa, Afrika, Kanada).
Wenn Sie eine neue Sprache auch deshalb lernen, um Ihr Englisch für internationale Zertifizierungen zu stärken, lohnt sich ein Blick darauf, was Sprachkompetenzniveaus wirklich bedeuten – derselbe CEFR-Rahmen gilt für alle großen europäischen Sprachen.
Häufige Fehler bei der Sprachwahl
- Die Sprache nur nach ihrem Klang wählen. Italienisch klingt wunderschön, hat aber unregelmäßige Verbkonjugationen und grammatikalisches Geschlecht. Afrikaans oder Norwegisch sind möglicherweise schneller zu erlernen, auch wenn sie weniger romantisch wirken.
- Vorhandene Kenntnisse ignorieren. Wer in der Schule Französisch gelernt hat, wird Portugiesisch deutlich leichter finden als jemand ohne jegliche Vorkenntnisse.
- Die Schrift unterschätzen. Wer aus Begeisterung für die Kultur direkt mit Russisch oder Griechisch beginnt, stagniert oft beim Alphabet, bevor er zur Grammatik kommt.
- FSI-Stunden als festen Zeitplan verstehen. Das FSI untersuchte Vollzeit-Berufstätige. Gelegenheitslernende sollten die Zahlen als relative Vergleichswerte betrachten, nicht als persönlichen Stundenplan.
- Sprechen zu lange aufschieben. Kategorie-I-Sprachen sind unter anderem deshalb zugänglich, weil Muttersprachlerinnen und Muttersprachler Anfängerinnen und Anfängern gegenüber oft sehr aufgeschlossen sind. Nutzen Sie das von Anfang an.
Fazit
Die leichtesten Sprachen für Englischlernende konzentrieren sich auf die FSI-Kategorie I – insbesondere Afrikaans, Niederländisch, Norwegisch, Spanisch und Französisch. Jede dieser Sprachen teilt bedeutenden Wortschatz mit dem Englischen, verwendet das vertraute lateinische Alphabet und hat eine im Vergleich zu Kategorie-III- und Kategorie-IV-Sprachen relativ regelmäßige Grammatik. Das B2-Niveau in einer Kategorie-I-Sprache zu erreichen, erfordert typischerweise 600–750 strukturierte Stunden – das entspricht etwa 20–25 Monaten bei täglicher Lernstunde.
Die wichtigsten Erkenntnisse im Überblick:
- FSI-Kategorie-I-Sprachen bieten den schnellsten Weg zu B2; Spanisch und Niederländisch sind für die meisten Lernenden die beste Wahl.
- Grammatikähnlichkeit und Kognaten sind entscheidender als kulturelle Nähe, wenn es um Lerngeschwindigkeit geht.
- Ihr bestehendes Englischniveau ist die Ausgangsbasis – ein solider englischer Wortschatz beschleunigt direkt das Erkennen romanischer Kognaten.
- Ziele sollten die Wahl bestimmen: Reise, Beruf und regionale Anforderungen sind mindestens genauso wichtig wie reine Schwierigkeitswerte.
- Regelmäßiges tägliches Üben schlägt intensives Pauken – die FSI-Stunden entfalten ihre Wirkung am besten verteilt über Monate, nicht komprimiert auf Wochen.
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