Die häufigsten Englischfehler nach Muttersprache – und wie Sie sie gezielt beheben
Jede Person, die Englisch lernt, macht Fehler – doch die Fehler, die Sie machen, sind selten zufällig. Die angewandte Sprachwissenschaft zeigt seit Jahrzehnten, dass die typischen Fehler von Lernenden direkt aus ihrer Muttersprache vorhersagbar sind. Eine deutschsprachige Person und eine japanischsprachige Person können beide grammatikalisch falsche Sätze bilden – aber sie werden fast immer unterschiedliche Fehler machen. Wer die häufigsten Englischfehler nach Muttersprache kennt, kann das eigene Lernen gezielt ausrichten und Schwächen schneller beheben.
QUICK ANSWER
Die häufigsten Englischfehler nach Muttersprache entstehen durch L1-Transfer – die Grammatik Ihrer Muttersprache überträgt sich auf das Englische. Deutschsprachige kämpfen mit der Verbstellung im Nebensatz; Arabisch- und Chinesischsprachige lassen Artikel weg; Türkisch- und Koreanischsprachige kehren die Wortstellung um; Russischsprachige lassen Hilfsverben aus. Identifizieren Sie Ihr persönliches Fehlermuster und messen Sie Ihren Fortschritt mit einem strukturierten Test wie dem B1 Intermediate English Test.
Was ist L1-Transfer und warum verursacht er Englischfehler?
L1-Transfer bezeichnet den Vorgang, bei dem Lernende unbewusst die Grammatikregeln ihrer Muttersprache (L1) auf eine Fremdsprache übertragen. Wenn beide Sprachen ein Merkmal teilen – beispielsweise beide die Subjekt-Verb-Objekt-Reihenfolge nutzen – wirkt der Transfer positiv und erleichtert das Lernen. Unterscheiden sie sich jedoch, entsteht negativer Transfer und damit systematische Fehler.
Sprachwissenschaftlerinnen und Sprachwissenschaftler erforschen dieses Phänomen seit den 1950er-Jahren. Der Gemeinsame Europäische Referenzrahmen (GER/CEFR) des Europarats erkennt an, dass Lernende auf allen Niveaustufen Interferenzmuster aus ihrer Muttersprache mitbringen und dass gezieltes Feedback zu diesen Mustern den Lernfortschritt erheblich beschleunigt.
Die folgenden Fehler sind nach Fehlertyp (Artikel, Zeiten, Wortstellung, Präpositionen, Pronomen) innerhalb jedes Sprachhintergrunds geordnet. Nutzen Sie den Abschnitt, der Ihrer eigenen Muttersprache entspricht, als persönliche Checkliste.
Deutschsprachige: Wortstellung und Verbplatzierung
Deutsch gehört unter den europäischen Sprachen zu denjenigen mit der am stärksten vom Englischen abweichenden Satzarchitektur – trotz der gemeinsamen germanischen Wurzeln.
Typische Fehler
- Verb-am-Ende-Stellung in Nebensätzen: Im deutschen Nebensatz steht das Verb am Ende. Lernende schreiben „I know that he yesterday the report finished" statt „I know that he finished the report yesterday."
- Trennbare Verben: Das Deutsche trennt Verbpräfixe im Satz; Lernende neigen manchmal dazu, englische Verben unnötig aufzutrennen.
- Großschreibung von Nomen: Wer Deutsch als Muttersprache hat, schreibt im Englischen anfangs oft „The Table" oder „My English Teacher."
- Präpositionen und Kasus: Deutsche Präpositionen regieren grammatische Fälle, die im Englischen nicht existieren, was zu systematischen Substitutionsfehlern führt – etwa „interested from" statt „interested in."
Lösung: Üben Sie die englische Nebensatzstruktur als festes Muster: Subjekt + Verb + Objekt + Zeit-/Ortsangabe. Da Deutsch und Englisch trotz ihrer Verwandtschaft syntaktisch sehr unterschiedlich sind, lohnt es sich, diesen Unterschied bewusst zu verinnerlichen und Nebensätze gezielt zu trainieren.
Spanisch- und Portugiesischsprachige: Zeiten und Pronomen
Spanisch und Portugiesisch sind eng miteinander verwandt, weshalb sich ihre Fehlermuster im Englischen stark überschneiden.
Typische Fehler
- Übermäßige Verwendung von Verlaufsformen: Da das Spanische kein direktes Äquivalent des englischen Present Simple für Gewohnheiten kennt, sagen Lernende „I am studying every day" statt „I study every day."
- Doppelte Verneinung: Im Spanischen ist die doppelte Verneinung grammatikalisch korrekt, weshalb Lernende „I don't know nothing" ins Englische übertragen.
- Genuspronomen: Spanische Substantive haben ein grammatikalisches Geschlecht; Lernende sagen gelegentlich „she is a beautiful table" im schnellen Sprechen.
Lösung: Trainieren Sie das Present Simple für Gewohnheiten und Routinen explizit. Üben Sie Sätze mit einfacher Verneinung so lange, bis sie sich natürlich anfühlen.
Französischsprachige: Falsche Freunde und Hilfsverben
Französisch und Englisch teilen durch normannische und lateinische Einflüsse einen bedeutenden Wortschatz – was sowohl Vorteile als auch Fallen birgt.
Typische Fehler
- Falsche Freunde: „Actuellement" bedeutet im Französischen „derzeit", nicht „actually." Ähnliche Verwechslungen (éventuel/eventual, sensible/sensitive) sind häufig.
- Fragebildung: Das Französische verwendet Inversion oder „est-ce que" für Fragen; Lernende lassen das Hilfsverb weg: „You like English?" statt „Do you like English?"
- Präpositionen: Französische Präpositionalkonstruktionen lassen sich selten direkt ins Englische übertragen. „Dépendre de" wird zu „depend of" statt „depend on."
- Artikel bei abstrakten Nomen: Im Französischen steht der bestimmte Artikel vor abstrakten Nomen; Lernende sagen daher „the freedom is important" statt „freedom is important."
Lösung: Legen Sie eine persönliche Liste falscher Kognaten an. Üben Sie Ja/Nein-Fragen mit dem Hilfsverb „do/does/did" isoliert, bevor Sie diese in längere Sätze einbetten.
Arabischsprachige: Artikel, Genus und Satzbau
Arabisch ist eine semitische Sprache ohne genetische Verwandtschaft zum Englischen – der strukturelle Unterschied ist erheblich.
Typische Fehler
- Fehlende Artikel: Arabisch kennt nur einen bestimmten Artikel („al-") und keinen unbestimmten. Lernende sagen „I bought car" oder „She is teacher" statt „I bought a car" und „She is a teacher."
- Genuspronomen für Objekte: Arabische Substantive haben ein grammatikalisches Geschlecht; Lernende verwenden gelegentlich „he" oder „she" für unbelebte Gegenstände.
- Fehlendes „to be" im Präsens: Im klassischen Arabisch entfällt das Verb „to be" im Präsens; Lernende schreiben „She happy" statt „She is happy."
- Konsonantencluster: Die arabische Phonologie erlaubt viele englische Konsonantencluster nicht, was zur Vokaleinschüben führt: „sport" wird zu „isport."
Lösung: Behandeln Sie das englische Artikelsystem als eigenständiges Grammatikmodul und erarbeiten Sie es intensiv: unbestimmter Artikel bei der Ersterwähnung, bestimmter Artikel bei bekanntem Bezug.
Türkischsprachige: SOV-Wortstellung und Agglutination
Türkisch ist eine Subjekt-Objekt-Verb (SOV)-Sprache – das Verb steht am Ende. Englisch folgt der Subjekt-Verb-Objekt (SVO)-Reihenfolge. Allein dieser Unterschied erzeugt zahlreiche Fehler.
Typische Fehler
- Verb-am-Ende-Sätze: „I the book read" statt „I read the book."
- Keine Artikel im Türkischen: Wie arabischsprachige Lernende lassen türkischsprachige Lernende „a", „an" und „the" systematisch aus.
- Zeitsufficverwechslungen: Das Türkische hat ein reiches Suffixsystem für Tempus und Aspekt; Lernende vermeiden englische Hilfsverben, weil sie redundant wirken.
Russischsprachige: Artikel und das Verb „to be"
Das Russische kennt weder grammatikalische Artikel noch die Gegenwartsform von „to be" – was zu zwei der häufigsten Fehlertypen in der Schriftsprache russischsprachiger Lernender führt.
Typische Fehler
- Fehlende Artikel: „She is student at university" statt „She is a student at a university."
- Fehlendes Kopulaverb: „He very tired" statt „He is very tired."
- Präpositionsfehler: Russische Präpositionen regieren grammatische Kasus ohne englisches Äquivalent; Lernende schreiben „I am interested from linguistics" statt „interested in."
- Aspektverwechslungen: Russische Verben kodieren perfektiven/imperfektiven Aspekt; Lernende haben Schwierigkeiten, dies auf englische Perfekt- und Simpelformen abzubilden.
Chinesisch-, Japanisch- und Koreanischsprachige: Gemeinsame Muster, unterschiedliche Details
Diese drei Sprachen teilen mehrere typologische Merkmale, die zu überlappenden, aber unterschiedlichen Fehlern im Englischen führen.
Häufige Fehlertypen im Vergleich
| Fehlertyp | Chinesischsprachige | Japanischsprachige | Koreanischsprachige |
|---|---|---|---|
| Artikel-Auslassung | Sehr häufig | Häufig | Häufig |
| Plural-s-Auslassung | Sehr häufig | Mittel | Mittel |
| SOV-Wortstellung | Mittel | Häufig | Häufig |
| Subjektauslassung | Häufig | Häufig | Häufig |
| Relativsatzstellung | Mittel | Häufig | Häufig |
- Artikel: Keine der drei Sprachen hat ein grammatikalisches Artikelsystem; „a", „an" und „the" werden daher konsequent ausgelassen oder falsch verwendet.
- Wortstellung in Relativsätzen: In allen drei Sprachen steht der Relativsatz vor dem Bezugsnomen. Lernende sagen „the yesterday bought book" statt „the book I bought yesterday."
- Subjektauslassung: Diese Sprachen erlauben oder bevorzugen das Weglassen des Subjekts, wenn es aus dem Kontext klar ist. Lernende schreiben „Is very difficult" statt „It is very difficult."
- Pluralmarkierung: Chinesisch, Japanisch und Koreanisch flektieren Nomen nicht nach Zahl. „Three student" statt „three students" ist ein typischer Fehler.
Sprachübergreifende Muster: Fehler, die nahezu alle machen
Trotz der beschriebenen Unterschiede gibt es Fehlertypen, die über alle Sprachhintergründe hinweg auftreten:
- Präpositionen: Englische Präpositionalkollokationen (interested in, good at, afraid of) sind weitgehend willkürlich. Jede lernende Person muss sie auswendig lernen.
- Unregelmäßige Verben: Keine Sprache bereitet Sie auf „go → went" oder „teach → taught" vor. Frequenzlisten und regelmäßiges Üben sind unerlässlich.
- Zählbare und nicht-zählbare Nomen: „Informations", „advices", „furnitures" sind über alle Sprachhintergründe hinweg sehr verbreitet, weil viele Sprachen diese Nomen als zählbar behandeln.
- Kollokationen: „Do homework" vs. „make a mistake" – die Verbwahl ist idiomatisch und muss als feste Wendung gelernt werden.
Für alle, die eine berufliche oder akademische Zertifizierung anstreben – etwa für eine Bewerbung bei einem international tätigen Unternehmen in Deutschland, die Anerkennung ausländischer Abschlüsse oder den Blue Card-Antrag –, sind genau diese sprachübergreifenden Fehler die Strukturen, die in standardisierten Englischtests geprüft werden. Unser vollständiger Überblick über Englischzertifikate erläutert, welche Grammatik- und Wortschatzkenntnisse auf jeder CEFR-Stufe erwartet werden.
So nutzen Sie dieses Wissen für schnellere Fortschritte
Das Wissen um Ihr wahrscheinliches Fehlerprofil ist nur dann wertvoll, wenn Sie auch handeln. Hier ist ein praktischer Vier-Schritte-Prozess:
- Identifizieren Sie Ihre drei häufigsten Fehlertypen aus dem Abschnitt, der Ihrer Muttersprache entspricht.
- Führen Sie ein gezieltes Fehlerprotokoll. Notieren Sie beim Schreiben auf Englisch alle Sätze, in denen Sie Artikel, Präpositionen oder die Satzstruktur bewusst gewählt haben – die drei häufigsten Transferfehlerzonen.
- Üben Sie im Kontext, nicht in Isolation. Grammatikübungen helfen, aber Fehler verschwinden am schnellsten, wenn Sie in vollständigen Sätzen und Absätzen üben und korrigierendes Feedback erhalten.
- Testen Sie sich formal. Ein zeitlich begrenzter, strukturierter Test deckt Fehler auf, die nur unter Druck entstehen – genau die Bedingungen, die in der realen Kommunikation zählen. Der B1 Intermediate English Test deckt die zentralen Grammatikbereiche ab, in denen L1-Transferfehler konzentriert auftreten, und liefert eine GER-referenzierte Bewertung.
Wenn Sie bereits auf dem oberen Mittelstufenniveau arbeiten, lohnt sich ein Blick auf unseren Beitrag zu B2-Englischfehlern und wie Sie diese beheben – dort werden die subtileren Transferfehler behandelt, die auch fortgeschrittenen Sprecherinnen und Sprechern noch unterlaufen.
Fazit
Wer die häufigsten Englischfehler nach Muttersprache kennt, verwandelt unstrukturiertes Üben in präzises, effizientes Lernen. Die wichtigsten Erkenntnisse im Überblick:
- L1-Transfer ist systematisch, nicht zufällig – Ihre Muttersprache lässt Ihr Fehlerprofil mit bemerkenswerter Genauigkeit vorhersagen.
- Artikel, Präpositionen und Wortstellung sind die drei Bereiche, in denen Transferfehler gehäuft auftreten – unabhängig vom Sprachhintergrund.
- Deutschsprachige: Konzentrieren Sie sich auf die Verbstellung im englischen Nebensatz und die Bildung von Hilfsverbkonstruktionen.
- Arabisch-, Türkisch-, Chinesisch-, Japanisch-, Koreanisch- und Russischsprachige: Behandeln Sie das englische Artikelsystem als Prioritätsmodul.
- Spanisch-, Portugiesisch- und Französischsprachige: Überprüfen Sie Ihren Tempusgebrauch, insbesondere Present Simple vs. Present Continuous, und trainieren Sie die korrekte Fragebildung.
- Ein formaler, GER-referenzierter Test – wie der kostenlose Englisch-Einstufungstest – macht Ihr Bewusstsein für diese Muster in eine konkrete Bewertung und einen klaren nächsten Schritt messbar.
Zu wissen, wo Sie am wahrscheinlichsten Fehler machen, ist der erste – und wichtigste – Schritt in Richtung fehlerfreier Kommunikation.
Häufige Fragen
Redaktionsteam von International English Test
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